SAP für den Mittelstand

SAP hin und her, in TV-Werbungen, in Radiospots, im Focus, im Spiegel, in der New York Times, überall fällt im Augenblick das Wort SAP. Doch die wenigsten wissen was es mit diesem Unternehmen auf sich hat und welche Produkte mit SAP assoziert werden.

 

SAP Logo

Zum Unternehmen selbst:

Fünf ehemalige Mitarbeiter der IBM (Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira, Dietmar Hopp und Hasso Plattner) gründeten 1972 SAP Systemanalyse und Programmentwicklung in Weinheim. Das erste Büro war in Mannheim. 1976 wurde die SAP GmbH gegründet, die ein Jahr später von Mannheim nach Walldorf umzog. SAP stand zeitweilig für Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung bzw. Systems, Applications, and Products in Data Processing. Allerdings tilgte ein Beschluss der Hauptversammlung diese Auflösung des Firmenkürzels 2005 aus der Satzung des Unternehmens. Damit ist SAP AG die offizielle Firma des Unternehmens und nicht deren Abkürzung.
SAP hat weltweit rund 39.300 Beschäftigte (Stand 1. Januar 2007), davon etwa 11.200 Mitarbeiter in der Software-Entwicklung, und erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von 9,6402 Mrd. EUR sowie einen Jahresüberschuss von 1,496 Mrd. EUR. Die Aktie gehört zu DAX und EuroStoxx 50 und wird unter anderem an der Frankfurter (seit 1988) und der New Yorker Börse (seit 1998) gehandelt.
Das Unternehmen betreibt neben dem Entwicklungszentrum am Unternehmenssitz in Walldorf noch weitere Entwicklungsstandorte in den USA, Frankreich, Kanada, Israel, Indien, Australien, Japan, der Volksrepublik China, Bulgarien, der Slowakei, Ungarn und Polen.

Zu den Produkten von SAP: 

SAP R/3 und MySAP

Vor einigen Jahren gab es mit SAP R/3, das 1992 aus dem Mainframe-orientierten Vorgänger SAP R/2 in weiten Teilen neu entwickelt wurde, nur eine einzige monolithische ERP-Software des Herstellers. Sie besteht aus Modulen, die funktionell, aber nicht architektonisch getrennt sind. Dies sind im wesentlichen: FI (Finance), CO (Controlling), MM (Materials Management), SD (Sales and Distribution) und PP (Production Planning). Diese Module bieten auch weiterhin den Kern der Funktionalität, die SAP-Anwender einsetzen.

Sie wird inzwischen durch eine Palette weiterer Produkte ergänzt, die nun zusammen mySAP Business Suite genannt werden:

  • Enterprise Resource Planning (ERP) ist das frühere R/3, das zuletzt in Version 4.7 eigenständig auftrat, teils auch ERP Central Component genannt. Weitere Details zu Technik, Architektur, den Funktions-Modulen und der Benutzeroberfläche, siehe Hauptartikel SAP R/3
  • Customer Relationship Management (CRM) ist ein unabhängiges Paket, das erweiterte Funktionalität für Kundenbetreuung mittels einer eigenständigen Software-Architektur bietet und auf einem gesonderten Server läuft; mit dem ERP ggf. gemeinsame Daten werden via Replizierung abgeglichen.
  • Supply Chain Management (SCM), Supplier Relationship Management (SRM) und Product Lifecycle Management (PLM) Systeme ergänzen in ähnlicher Weise das Basissystem um branchenübergreifend nutzbare Funktionen.
  • Branchenlösungen (sog. IS - Industry Solutions) bieten darüber hinaus spezifische Ergänzungen zum normalen Funktionsumfang des R/3/ERP-Kerns. Dazu gehört z. B. „SAP for Retail“ für den Einzelhandel, „IS-Mill“ für die Papier-, Textil- und Stahlindustrie oder „IS-Oil“ für die Ölindustrie.
  • IT-System für eine hochautomatisierte Fabrik, in der praktisch ohne Menschen produziert wird. In Anwesenheit der Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte Henning Kagermann auf der CeBIT 2007 das Produkt mit den Worten vor: „Jetzt wollen wir mal sehen, wie wir die Menschen wegbringen.“ Sofort antwortete Merkel: „Daran beteilige ich mich nicht.“[1]

Die Akronyme und die Konzepte hinter ERP, CRM oder SRM sind nicht von SAP entwickelt worden und werden auch von anderen IT-Anbietern verwendet, SAP nutzt die Kürzel aber zur Bezeichnung seiner Softwarepakete.


Die NetWeaver Plattform

Als übergreifende Plattform bietet SAP „SAP NetWeaver“ an, mit dessen Hilfe unterschiedliche Business-Anwendungen integriert werden können. Mit NetWeaver soll der zunehmenden Komplexität der von Unternehmen installierten Systeme Rechnung getragen werden.
Technische Basis dieser Plattform ist der Web Application Server („Web AS“), mit dem SAP der Konkurrenz von Oracle, IBM u. a. um die Möglichkeit zur Vereinigung der Geschäftsprozesse begegnen will. Wesentliche Bestandteile der Plattform sind neben dem Web Application Server das Business Information Warehouse (basiert auf einem Data-Warehouse), das SAP NetWeaver Portal (ehemals SAP Enterprise Portal) und die SAP Exchange Infrastructure (XI). Zentraler Ansatz der Plattform ist die Anwendungs-Integration auf der Ebene der Anwenderoberfläche, der Daten und der Prozesse, auch übergreifend auf externe, so genannte „Non-SAP“-Produkte.
Nach der Integration der NetWeaver- mit der R/3-Lizenz wurden die Lizenzzahlen aus R/3-Installationen als Erfolge der Internet-Plattform präsentiert. Tatsächlich ist R/3 / ERP auch weiterhin unabhängig von den Internet-Lösungen einsetzbar und wird auch von der überwiegenden Zahl der Anwender so genutzt.


Und nun zu den beworbenen Mittelstandslösungen von SAP: 

Das Unternehmen bietet des weiteren auch Software, die ERP- und CRM-Funktionen für mittelständische, nicht konzerngebunde Unternehmen abdecken:

Business One:

SAP Business One ist eine Lösung für kleine bis mittelständische Unternehmen (ca. 5–150 Mitarbeiter, wobei nicht alle Anwender sein müssen, bis zirka zehn Millionen Dollar Umsatz). Architektur und Funktionalität haben keine Verbindung zu mySAP oder R/3. Business One hat eine eigene GUI-Technik, ist plattformgebunden und läuft derzeit nur unter MS-Windows.

Business One wurde 2002 von SAP eingeführt und basiert auf der Software TopManage des israelischen Herstellers TopManage Financial Solutions LTD. TopManage war eines der Unternehmen, die das zeitweilige SAP-Vorstandsmitglied Shai Agassi zusammen mit seinem Vater Reuven Agassi 1993 gegründet hatte und wurde im ersten Quartal 2001 von SAP übernommen.

Mit Business One tritt die SAP AG vermehrt auch in Konkurrenz zu Anbietern, die auf Klein- und Mittelbetriebe spezialisiert sind, wie Lexware, Sage, Microsoft mit Navision oder auch zu Open-Source-Lösungen wie Compiere.

All-in-One:

Anders ist SAP All-In-One konzipiert - es bietet ein vorkonfiguriertes, kleines R/3 für „größere“ Mittelständler oder Tochterunternehmen großer Konzerne, das ab ca. 200.000 Euro die Vorteile eines ERP-Systems bei voller Kompatibilität zum „großen“ SAP der Konzernmutter bietet.

A1S:

Eine seit einiger Zeit angekündigte Neuerung namens A1S soll, gemäß Mitteilung des Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann anläßlich der CeBIT 2007 in Hannover, nun erst um den Jahreswechsel 2007/2008 erscheinen. A1S ist für mittlere und kleine Betriebe konzipiert, wobei die Kosten auf die Einsatzdauer gerechnet bis zu 90 % unter individuell angepassten Lösungen liegen sollen. Die Anwendung wird anfangs exklusiv von SAP als hosted solution (Application Service Provider) via Internet angeboten, wozu das Unternehmen eigene Rechenzentren aufbauen will.

 

Literatur und Quellen:

 

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